Fahrphysik – Mathe, Mathe, Mathe

Forza Motorsport 4 - Ferrari Motorblock

Das Thema Fahrphysik war erst vor kurzem wieder in aller Munde, als Tim Schrick kürzlich den virtuellen 2012 BMW M5 mit dem realen Vorbild verglich. Viele Spieler finden das Fahrverhalten mancher Autos in Forza Motorsport als übertrieben nervös und fanden in der Aussage eines erfahrenen Piloten, Turn 10 würde dem BMW M5 zu wenig Grip auf der Hinterachse attestieren, ihre Bestätigung.

Nicht unerheblich ist dabei aber das Feedback, dass der Fahrer vom Auto sowohl virtuell, als auch in der Realität erhält und letztendlich daraus macht. Während Tim Schrick mit seinen gezüchteten ”Querkraft-Tentakeln”, wie er so schön sagt, mit dem Auto kommuniziert, so erhalten auch virtuelle Fahrer  massig Informationen vom Auto und seinem Zustand während der Fahrt und müssen dabei mehr auf das, was das ForceFeedback ihnen z.B. sagt hören. Das liegt nicht zuletzt an dem Umstand, dass physikalische Kräfte heute in der virtuellen Realität leider noch keine Rolle spielen und es virtuellen Piloten umso schwieriger macht, ein Auto am Limit zu bewegen, wenn man nicht die nötige Erfahrung mitbringt, wie Tim Schrick selber zugibt und auf Forza Motorsport und die Wirklichkeit gleichermaßen zutrifft.

Wenn man sich jetzt vor Augen führt -und das sollte man unbedingt-, dass das Ziel einer Simualtion ist, der Realität so nah wie möglich zu kommen, aber doch immer Welten davon entfernt bleibt, dann fragt man sich zwangsläufig, nach welchen Maßstäben Turn 10 das Fahrverhalten einzelner Autos bestimmt. Etwas das scheinbar viele nicht wissen und häufige Aussagen wie, “schlecht umgesetzt”, beweisen. Die Fahrphysik ist ein, wenn nicht das komplexeste Thema überhaupt, wenn es um Rennsimulationen geht und da unterscheidet sich Forza Motorsport von keiner anderen Sim, die mehr als ein Auto anbietet. Auch nicht am PC. Die Entwickler wissen das natürlich und müssen deshalb einen Kompromiss finden, denn die einzige Möglichkeit eine Rennsimulation anzubieten, die möglichst adäquat die Wirklichkeit wiederspiegelt wäre, sich auf lediglich ein Fahrzeug zu konzentrieren. Was das kommerziell bedeuten würde, muss wohl nicht näher erläutert werden. Was also tun? Das Geheimnis liegt darin, nicht nur ein nachvollziehbares Fahrverhalten anzubieten, sondern den vielen Autos eine unterschiedliche Fahrcharakteristik zu verleihen, was bei einem Titel wie Forza Motorsport 4, dass über 500 Fahrzeuge beinhaltet, schnell zur Lebensaufgabe mutiert, würde man das von Hand für jedes einzelne Auto realisieren wollen.

Deshalb behilft man sich mit Daten, die man von der Autoindustrie erhält und bei weitem noch nicht ausreichen würden, dass jeweilige Fahrverhalten zu simulieren, aber eine gute Basis bilden. Um es jetzt nicht ganz kompliziert zu halten, reicht es aus zu wissen, dass die Entwickler zwar die Physikengine oder Teile davon selbst programmieren und mit diesen Daten füttern, aber häufig auf vorgefertigte Module zurückgreifen, die einem unliebsame Aufgaben wie diese abnehmen. Das wohl wichtigste und am häufigsten verwendete Modul eines Drittanbieters hierfür nennt sich Automagic und bildet das Herzstück fast aller Simulationen. Es sorgt nämlich dafür, dass die Autos im Spiel mittels der ermittelten Werte aus den anderen Modulen wie z.B. dem Reifenmodell, um bei Forza Motorsport 4 zu bleiben, ihr Fahrverhalten und letztendlich ihre ganz eigene Charakteristik erhalten, die leider nicht immer mit der aus der Realität übereinstimmt und einem mal mehr, mal weniger zusagt. Mit der Erkenntnis aber, dass dieses Ziel, um beim Fall des BMW M5 zu bleiben nicht verfolgt wird, ganz einfach weil es wie weiter oben schon erwähnt, nicht funktionieren würde, will man mehr als nur einen BMW M5 anbieten, man das Fahrverhalten mehr als  gelungen beschreiben kann und wichtiger noch, sich deutlich von dem eines Morgan Aero SuperSports oder den restlichen Fahrzeugen im Spiel unterscheidet.

Alles andere legt man mittels der Möglichkeit am Setup Veränderungen vorzunehmen in die Hand der Spieler, die dem Auto seine schlechten Eigenschaften austreiben und die guten hervorheben. Erst hier liegt dann der große Unterschied zu den Simulationen am PC die, obwohl Forza Motorsport 4 eine Vielzahl an Optionen anbietet das Fahrverhalten direkt zu beeinflussen, weit mehr Faktoren berücksichtigen und auch der Grund dafür ist, warum es zwar von Vorteil ist viel über Fahrzeugtechnik zu wissen, aber sich Setups aus der Realität mehr schlecht als recht adaptieren lassen, wenn man das Spiel nicht versteht. Aber darauf gehen wir dann in künftigen Artikeln näher ein. Mit diesem Wissen, dass man natürlich auch erst akzeptieren muss, kann man mit Forza Motorsport 4 sehr viel Fahrspaß haben, auch wenn der reale BMW M5 mehr Grip bietet.

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Autor: A. Martin Alle Artikel von

6 Kommentare zu "Fahrphysik – Mathe, Mathe, Mathe"

  1. BMW M3 GTR 24. Januar 2012 um 11:45 -

    Nagel auf den Kopf getroffen,lol.
    Das Spiel verstehen, so siehts aus. Habe mich auch schon seit FM3 von den echten Daten aus der realen Tuning-Werkstatt verabschiedet. Dafür benutze ich die spielinternen Faktoren, wie z.B. die Maximalwerte 12 und 40 der Stabi/Dämpfungsskalen. Alles in den Mixer zu Gewicht und Dewichtsverteilung und so errechne ich immer mein Grundsetup. ;-) Jedes Auto bekommt man so als sehr gut fahrbar hin.
    Trotzdem find ich es doof, dass fast immer nur ein Auto die Bestenlisten dominiert. Mit solchen Geräten wie den Mosler kann doch nun wirklich jeder schnell fahren.
    Und meine Lieblingautos gehören nie zu den Top-Kisten, welch Jammer.
    Natürlich nur im Spiel,haha. ;-))

  2. V12 24. Januar 2012 um 19:38 -

    Für solche Artikel muss man diese Seite einfach lieben! :)

  3. Thyran 24. Januar 2012 um 20:31 -

    Hoch interessanter Artikel! Bitte mehr davon, die tief ins Detail gehen.

  4. Schrai 24. Januar 2012 um 22:40 -

    Man liest ja häufig von selbsternannten Experten, die sich teilweise damit rühmen vom PC Lager zu kommen und die Autos in der Realität gefahren zu haben, dass sie wissen wie sich ein Auto anfühlen muss. Ohne zu wissen wie eine Simulation funktioniert oder aufgebaut ist, dafür aber mit umso mehr Ignoranz unfähig sind, Simulation und Realität voneinander zu trennen. Viele Dank dafür und wie Thyran schon sagte, bitte mehr davon.

  5. Chocolate 24. Januar 2012 um 22:57 -

    Der Artikel erklärt wirklich einiges. Ich habe mich auch schon gefragt ob Turn 10 bei der Bestimmung des Fahrverhaltens reine Willkür walten lässt. Was haltet ihr eigentlich von diesen ganzen Kalkulatoren?

  6. BMW M3 GTR 25. Januar 2012 um 15:10 -

    Also ich halte von diesen Kalkulatoren nichts.Solange ich mit eigenen Setups schneller als diese bin,wäre ich ja auch schön blöd sie zu benutzen.
    Vielleicht für Anfänger eine Hilfe,am besten man beschäftigt sich aber gleich mit der Fahrzeugtechnik und versucht zu verstehen warum,was,wie funktioniert..Dauert alles seine Zeit,also eigentlich Jahre,aber dann machts umso mehr Spass.

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