Dan Greenawalt über Lizenzen und Strecken

Circuit de Catalunya

Während es an Autos nicht zu mangeln scheint, lässt das Angebot an Strecken in Forza Motorsport 4 etwas zu wünschen übrig. Warum das so ist und was die Schwierigkeiten dabei sind, erläutert Dan Greenawalt, der uns auch erklärt, wie so eine Strecke es in das Spiel schafft und wie realistisch sie sind.

“Wie ich bereits schon oft sagte, gehen wir auch bei den Strecken sehr akribisch vor. Wir nutzen GPS-Transceiver, die bis auf einen Zentimeter genau Daten liefern und gehen, bzw. fahren die Strecken insgesamt dreimal – jeweils einmal auf jeder Seite der Strecke und einmal in der Mitte – ab. Dadurch erhalten wir eine sehr genaue digitale Kopie der Strecke, mit all ihren Steigungen und Bodenwellen. Durch diese Art der Streckenvermessung können wir auch feststellen, ob die Strecke an einer gewissen Stellen hängt oder andere charakteristische Merkmale aufweist.”

“Diese Daten betreffen aber nur den reinen Streckenverlauf. Um sie auch wie die originale Strecke aussehen zu lassen, nutzen wir Satelliten, Luftaufnahmen und natürlich Fotos und Videos, die wir vor Ort machen. Dieses Material nehmen wir dann als Vorlage, um die Strecke so exakt wie möglich zu rekonstruieren und das Resultat fällt in der Regel sehr beeindruckend aus. Haben wir dann eine erste Version fertig, laden wir profesionelle Rennfahrer ein und lassen sie auf der virtuellen Strecke einige hundert Runden drehen. Rennfahrer nehmen eine Strecke ganz anders wahr und kennen entscheidende Stellen wie Bodenwellen oder Markierungen. Steht beispielsweise ein Baum an einer sehr speziellen Stelle, den der Pilot z.B. zur Orientierung in der Bremszone nutzt, dann ist dieser Baum auch im Spiel an dieser Stelle zu finden und sorgt dafür, dass solche Punkte mit der Realität übereinstimmen. In Forza Motorsport 4 haben wir alle Strecken nach diesen Gesichtspunkten überarbeitet und dabei interessierte uns weniger, ob an dieser oder jener Stelle eine Werbetafel mit unterschiedlicher Werbung hängt. Wir konzentrieren uns auf die für den Fahrer wichtigen Punkte und da ist in Forza Motorsport 4 zu 100% authentisch.”

“Wir hätten auch sehr viel mehr Strecken im Angebot, wenn es so einfach wäre, dass wir einfach entscheiden, welche Strecken wir anbieten. Ganz so einfach ist es leider nicht. Was viele nicht wissen ist, dass alle Rennstrecken rechtlich geschützt sind. Es gibt Strecken wie Spa, die sich seit Generationen in Familienbesitz befinden. In einem solchen Fall muss erst einmal der genaue Besitzer der Strecke ausfindig gemacht werden, was Monate dauern kann. Und wenn man ihn dann gefunden hat, muss man ihm oft erst einmal erklären, was man denn genau möchte. Solche Leute verstehen meist nichts darunter, die Strecke in einem Videospiel zu verwenden und haben dementsprechend oft wenig Interesse an solchen Geschäften. Ist soweit alles verstanden, versenden wir per Post eine Lizenzvereinbarung, die dann vielleicht unter Umständen mehrere Monate unbeachtet bleibt und dann -auf Anfrage- erst von Rechtsanwälten noch geprüft wird. Wieder vergehen Monate und so weiter und so fort. Wenn es ganz schlecht läuft, vergeht vom ersten Gespräch bis zur fertigen Strecke im Spiel ein Jahr und mehr. Natürlich sind wir nicht die ersten, die nach einer solchen Lizenz fragen. Andere Rennspiele sind schliesslich voll mit Rennstrecken, aber ganz unter uns, ich weiß, dass bei vielen Titeln, die Entwickler oder Publisher nicht über die nötigen Lizenzen verfügen. Das ist Fakt und streng genommen sogar illegal. Wir von Microsoft können es uns nicht erlauben, wegen so etwas verklagt zu werden und wir werden gerne verklagt. Berechtigt oder nicht.”

“Wir haben deshalb oft über einen Strecken- und sogar Fahrzeugeditor nachgedacht, aber nach langen Überlegungen entschieden, so etwas in Forza Motorsport nicht anzubieten. Wir wissen, dass unsere Community kreativ und talentiert genug ist Autos und Strecken zu konstruieren, aber in Forza Motorsport dreht sich eigentlich alles um Realismus. Strecken wie die Berner Alpen zeigen was die Konsole drauf hat, aber im Grunde genommen dreht sich alles um echte Autos und echte Strecken. Ein fiktives Auto aus der Community wäre von wenig Erfolg gekrönt, auch wenn es sich wie ein Traum fahren liesse und sehr bald würden die Spieler innerhalb kürzester Zeit Autos, als auch Strecken ihren realen Vorbildern entsprechend nachbauen und ich muss sicher niemanden erklären was das heisst. Zusätzlich müssten wir ständig den Inhalt unserer Community prüfen, überwachen und gegebenenfalls löschen. Aus diesen Gründen haben wir uns dagegen entschieden.”

Einen Fahrzeug-, oder Streckeneditor können wir also abhaken. Bliebe also noch der DLC und da die Gerüchteküche aktuell wieder brodelt, kann man nur hoffen, dass Turn 10 die ein oder andere Strecke nachschiebt. Mal abgesehen davon, dass die Nordschleife in Forza Motorsport 4 noch immer nicht an den GP Kurs angebunden ist.

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4 Kommentare zu "Dan Greenawalt über Lizenzen und Strecken"

  1. elKazaam 17. Januar 2012 um 12:13 -

    Vielen Dank für diesen guten und aktuellen Beitrag. Er ist sehr informativ und lässt hoffen…

  2. xXChecker94Xx 17. Januar 2012 um 16:17 -

    Seine hier zitierte Meinung ist zwar schon etwas älter und nicht die neueste, dient aber trotzdem zur allgemeinen Aufklärung warum man nun manches nicht so bekommt wie es sein sollte.
    An eine GP-Anbindung in Forza 4 glaube ich nicht, denn dafür müsste man die Nordschleife anpassen wenn es nach den Vorstellungen von Turn 10 geht, denn die GP Strecke und Nordschleife unterscheiden sich vom grafischen her doch überaus stark. Wobei ich mir sehr, sehr gut vorstellen könnte, dass die Community auch ersteinmal vorläufig mit einer Übergangslösung zufrieden wäre. Also einfach alte Strecke mit Neuer verbinden. Dass das dann als DLC billig sein muss oder eben auch kostenlos ist jo wohl klar, aber ich glaube so Communityfreundlich ist Turn10 dann doch nicht, wobei es ja fast nichts mehr wäre als die Einfahrt auf dem GP-Ring und auf die Nordschleife aufzumachen. Ist vom entwicklerischen Anspruch jo wohl nicht so schwer, oder?
    Warum Träume immer so schnell kaputt zumachen sind…

  3. gehtnichtgibtsnicht 17. Januar 2012 um 19:33 -

    Aber bisher sind bei weitem nicht alle Strecken so genau vermessen wie Dan sagt, denn wenn sie die Strecken sooo genau vermessen, warum ist die Nordschleife paar Kilometer länger, also upscaled?

  4. Chocolate 17. Januar 2012 um 22:06 -

    Angeblich soll Turn 10 die Nordschleife der Spielbarkeit wegen etwas breiter gestaltet haben, was sich dann auf die Gesamtlänge auswirkt.

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