Forza Motorsport 4

9.3   Gesamtnote
Technik: 8/10
Gameplay: 10/10
Inhalt: 10/10

Fahrphysik, Grafik, Umfang

diverse kleine Fehler

Game Info

TITEL: Forza Motorsport 4

ENTWICKLER: Turn 10

PUBLISHER: Microsoft

SYSTEM: Xbox 360

GENRE: Rennspiel

RELEASE DATUM: Europa 14.10.2011

Eine Seite die sich hauptsächlich mit dem Forza Motorsport Franchise auseinandersetzt wird man gerne nachsagen nur subjektiv zu urteilen. Was viele dabei übersehen ist die Tatsache, dass viele der Spieler auch passionierte Racer sind und es auf den Konsolen bisher nur ein Spiel geschafft hat, sie alle zu vereinen. Sei es durch die glaubwürdige Fahrphysik oder der Möglichkeit sich bei der Gestaltung des Autos in allen Bereichen frei entfalten zu können.

Obwohl das Gebotene am Ende dieser Konsolen-Generation neue Maßstäbe setzt, ist natürlich auch in Forza Motorsport 4 nicht alles perfekt und manch einer hätte sich mehr gewünscht. Die größten Kritikpunkte sind das Fehlen der GP-Anbindung der Nordschleife, die Schadensbehebung bei den Boxenstopps und ganz traurig, dass Schicksal das Porsche ereilt hat. Das Fehlen von Nachtrennen wird dadurch etwas kompensiert, dass einige Strecken über zwei alternative Tageszeiten verfügen. Ein Blick zum Himmel verrät aber, dass die Trockenzeit noch etwas andauern wird. Begründet wird dies damit, dass man an die Grenze der Leistungsfähigkeit in der aktuellen Konsolen-Generation gekommen ist und die Qualität des Spiels stark gelitten hätte. Für das Fehlen der GP-Anbindung an die Nordschleife jedoch gibt es keine Erklärung und das finden wir mehr als schade. Das ist Pflichtprogramm und so wundert es auch nicht, dass Microsoft daran interessiert ist an diesen Umstand per DLC etwas zu ändern. Ob und wann das geschieht ist allerdings ungewiss.

Ein weiteres großes Manko stellen wir weiterhin bei den Boxenstopps fest. Alles läßt sich in Sekunden reparieren, nur die beschädigte Aerodynamik nicht. Da hilft es auch nicht, dass das restliche Auto wieder intakt ist, denn der Nachteil einer nicht mehr optimalen Anströmung der Luft ist gravierend. Ein Zustand der für sehr viel Frust sorgt. Und ob RUF nun ein guter Ersatz für Porsche ist lassen wir dahingestellt. Fakt ist, dass Porsche einer Lizenzfrage zum Opfer gefallen ist, für die Turn10 nichts kann. Die Rechte an Porsche in einem Rennspiel liegen bei Electronic Arts die durch eine Sublizenz seitens EA an andere Entwickler weitergegeben wird. In diesem Fall hat sich EA dagegen entschieden. Weitere Dinge wie eine fehlende animierte Boxencrew können bei Spielern die Wert darauf legen den Spielspaß etwas trüben. Ärgerlicher sind die Fehler die aus Forza Motorsport 3 einfach übernommen wurden, anstatt sie auszumerzen. Kommen wir also zum großen Rest der fantastisch umgesetzt wurde.

Forza Motorsport 4 läuft trotz opulenter Grafik wie gewohnt bei stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Ohne Tearing, Slowdowns oder einen einzigen Ruckler. Hier hat Turn10 ganze Arbeit geleistet und kitzelt alles aus der bereits sechs Jahre alten Xbox 360.  Wo Turn 10 die Ressourcen noch hernimmt wird wohl ihr Geheimnis bleiben, aber es gelingt ihnen unseren Netzhäuten mit dem neuen Image-Based-Lighting zu schmeicheln. Ausserdem wurde die Polygonanzahl nochmal deutlich erhöht und findet im Autovista-Modus seinen Höhepunkt. Dort werden ausgewählte Autos in einem noch nie dagewesenen Detailgrad mit mehreren Millionen Polygonen dargestellt und sowohl Autos als auch Strecken erhalten durch die neuen Shader zusätzlich ein noch realistischeres Aussehen. Forza Motorsport 4 geizt dabei nicht mit Effekten und läßt es an jeder Ecke rauchen und stauben. Das optische Schadensmodell wurde überarbeitet und ist jetzt detaillierter. Allerdings finden wir, dass die Lackschäden bei leichten Berührungen zu heftig eingesetzt werden. Dafür fliegen ordentlich die Teile. Generalüberholt hat man auch die Cockpit-Perspektive und diesmal scheinen auch alle Anzeigen zu funktionieren. Mehr Dynamik im Renngeschehen verspricht ein neuer Effekt der die Strecken nicht mehr glatt wirken lässt und stellenweise wurden sogar neue Bodenwellen hinzugefügt.

Die Painter dürfen sich zudem über höher aufgelöste Mustergruppen im Livery Editor freuen und im Fotomodus sind jetzt zusätzlich zu den Bildern in 1280×720 auch Aufnahmen in einer Auflösung von 3840×2160 Pixel möglich, die “Big Shots” genannt werden. Etwas störend wirkt sich das Kantenflimmern trotz vorhandenem zweifachen Antialiasing auswirken, wenn man die Xbox 360 auf 1080p stehen hat. Abhilfe schafft hier die 720p Einstellung, die der nativen Auflösung des Spiels entspricht. Grafisch setzt Forza Motorsport 4 neue Maßstäbe und stellt eine deutliche Weiterentwicklung dar, ohne dabei an Erkennungswert zu verlieren.

Da Musik bekanntlich eine Geschmacksfrage ist, fällt die Musik eher neutral aus, bleibt aber dennoch ausgewogen. Die meisten die dieses Review lesen werden sich aber weniger für die Musik, als die Motorensounds interessieren und da gibt es bei Forza Motorsport 4 was auf die Ohren. Bereits in der Demo durfte man feststellen wie sensationell sich der Pagani Zonda anhört. Aber auch die anderen Fahrzeuge haben klangtechnisch eine Überarbeitung erfahren, die sich deutlich von den Forza Motorsport Vorgängern absetzt. Zwar könnten einige Autos noch immer etwas brachialer daherkommen, aber hier  wird man einfach mit den Ressourcen am Ende sein. Mit Jeremy Clarkson hat man zudem einen Sprecher finden können, der im Autovista-Modus seinen britischen Humor freien Lauf lässt und natürlich deutsch untertitelt ist.

Das Menue von Forza Motorsport 4 präsentiert sich dabei wie gewohnt aufgeräumt und man findet sich schnell zurecht. Am deutlichsten fällt auf, dass man sich hier jetzt für eine dunkle Benutzeröberfläche entschieden hat, die besonders Abends den Augen zugutekommt. Eine Neuerung die sich “simulierte Steuerung” nennt, treibt die Fahrphysik in neue Höhen. Haben in vergangenen Forza Teilen noch kleine Helferlein die Steuerung unterstützt, fallen diese mit dieser Option jetzt weg. In der Vergangeneheit sorgten sie hauptsächlich dafür, dass der Winkel der Vorderräder korrigiert wurde und so das Handling verbesserten, was vorallem für Spieler mit Gamepad eine nützliche Hilfe darstellte. Abgesehen davon, dass damit jetzt Schluß ist, fühlt sich das unglaublich gut an und wem das noch nicht reicht, kann am Setup drehen oder sein Fahrzeug mit lauter technischen Modifiaktionen versehen.

Wer sich danach schon immer mal an den Replays ergötzt hat, wird in Forza Motorsport 4 endlich willkommene Veränderungen vorfinden. So geht man jetzt den Weg einer TV-Übertragung und wertet die bewegten Bilder mit Effekten wie dem Field of Depth (Tiefenunschärfe) und statischen Kameras auf. Eine freibewegliche Kamera vermisst man leider noch immer, aber die Replays geben ein gutes Ausgangsmaterial für atemberaubende Videos ab. Die Karriere ist größer geworden und wäre sie genauso langatmig geblieben, der reinste Mord. Die KI passt sich dabei den Schwierigkeitsgrad seinem eigenen Können an und so trifft es sich ganz gut, dass es jetzt Events gibt, die das alles etwas auflockern und ob man es nun glaubt oder nicht, es macht Spaß.

Eine weitere große Neuerung ist der Rivals Mode, der mit unterschiedlichsten Events in sieben Kategorien für jeden etwas bietet. Für uns der Modus, der die Forza Motorsport 4 Spieler langfristig neben den klassischen Multiplayer-Rennen binden wird. Ursprünglich gingen wir bei Autovista von einer netten Spielerei aus, aber die Präsentation der einzelnen Autos ist so unterhaltsam gestaltet, dass man sich auch mal als “Hardcore”-Racer nicht zu schade dafür ist, ein Auto bis ins letzte Detail zu erkunden und etwas mehr darüber zu erfahren. Wie bereits erwähnt werden die Autos von Jeremy Clarkson vorgestellt, aber man findet auch genug Stellen, die in deutscher Sprache etwas über das Objekt der Begierde verraten. Das man dabei im Auto Platz nehmen und starten kann mag vielleicht nicht jeden vom Hocker hauen, aber wenn man den Originalsound beim Starten hört und dabei das Innere bei laufendem Motor inspiziert, ist man dazu versucht aus dem eigenen Wohnzimmer zu fahren. Das Erlebnis der Interaktivität wird dabei durch Kinect nochmal gesteigert. Es ist unglaublich wie gut das System funktioniert und man sich beim “Verrenken” beobachtet, nur um einen genauen Blick auf den Bremssattel zu werfen. Diese Affinität zieht sich durch das ganze Spiel und ist nicht nur ein Gimmick, dass man dem Casual-Gamer bietet. Genauso wenig wie das Headtracking per Kincet, dass einem im Cockpit eine Freiheit bietet, dass man fast schon von einer Alternative zum Triple-Screen sprechen kann. Die einzige “Spielerei” die wir gefunden haben die auf den Massenmarkt abzielt, ist das Air Driving. Es erfüllt seinen Zweck mit nichts weiter als Handbewegungen das Auto zu fahren und das gelingt auch ohne große Probleme, da das System praktisch vieles übernimmt.

Öffentliche Lobbies, Rivals Mode, Auktionshaus, Leaderboards … online war Forza Motorsport schon immer ein Brett und so vertieft man dieses Thema weiter. Online können jetzt insgesamt 16 Spieler gegeneinander antreten. Die Anbindung des Xbox LIVE Marktplatzes ist vorbildlich und hält jetzt Auto-Gutscheine bereit, die man für MS-Points erwerben kann, um ein Auto auszulösen, dass man unbedingt haben möchte, aber kein Interesse daran hat es freizuspielen. Das Auktionshaus hat sich zum Vorgänger nicht verändert, dafür werden jetzt Aktivitäten wie das Aufrufen von Nachrichten ähnlich dem Xbox LVE Rewards Programm belohnt und wer in Forza Motorsport  seine Erfüllung noch nicht gefunden hat, kann sich Gleichgesinnten in den Car-Clubs anschließen. Noch nie wurde die Community so stark in das Spiel eingebunden.

Viele hätten jetzt sicher eine höhere Wertung erwartet, aber die Tatsache, dass das Manko beim Boxenstopp noch existiert, die Kollisionsgeräusche schonmal besser klangen und diverse Bugs aus Forza Motorsport 3 einfach übernommen und nicht ausgemerzt wurden, verhindern das Forza Motorsport 4 eine bessere Wertung einfährt. Was bleibt ist aber der bisher beste Forza Motorsport Teil, mit dem wir noch lange Gas geben werden, denn es fährt sich unglaublich gut. 

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Author: A. Martin View all posts by

5 Kommentare zu "Forza Motorsport 4"

  1. Chocolate 15. November 2011 um 14:20 -

    Der beste Test zu Forza Motorsport 4 im deutschsprachigen Raum. Respekt! :)

  2. Schrai 15. November 2011 um 21:53 -

    Find ich auch. :) Der Test wird auch auf vielen Seiten gelobt. Es gibt natürlich auch Kritiker, aber man kann es auch nicht jedem recht machen.

  3. mr C1 11. April 2012 um 12:23 -

    Ja und für gravierende Fehler muss ich dann wieder in die Tasche langen. Porsche ist Pflicht! Das Spiel hat 70€ gekostet, die Xbox Live Rechnung kommt auch pünktlich und nicht zu sprechen die Autopakete. Jetzt kommt “auf einmal doch” Porsche und dann soll ich umgerechnet 10-20€ dafür blechen? Mit welcher Begründung?

  4. mr C1 11. April 2012 um 12:27 -

    Nebenbei, ich hab das Spiel hauptsächlich wegen Porsche und komischerweise hat sich jeder gedacht: ach Porsche kommt noch und dann wollen die wieder tausende von Microsoft Points von uns. Und jetzt? Wollen sie Geld! Ich liebe Forz,a aber man sollte es nicht übertreiben.

  5. Freddy 9. Dezember 2012 um 19:35 -

    Wann kommt endlich wieder so eine Aktion, wo man alle DLC’s zum halben Preis bekommt?! Ich meine die DLC’s sind teuerer als Trüffel. Man, das Spiel ist so geil also verdirbt es nicht mit den mehr als überteuerten DLC’s!! Zu Weihnachten könnt ihr das doch mal machen. Aja und das ihr uns nach Rückmeldung zum Spiel fragt und Verbesserungsvorschläge für Forza 5 ist echt richtig gut von euch. Da seid ihr wirklich die einzigsten die ich kenne die sowas bieten.

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